Die Suchbegriffe sind nach Anfangsbuchstaben sortiert. Es werden dazu mehr oder weniger kurze Informationen zu wichtigen Begriffen aus der Klimabildung bereitgestellt. Das Glossar erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Für weitergehende Informationen bzw. in die Tiefe gehenden Wissen, nutze die bekannten, seriösen Suchmaschinen!
K
Kipppunkte (tipping points)
Kipppunkte in der Klimakrise sind kritische Schwellenwerte im Erdsystem, bei deren Überschreitung sich Veränderungen selbst verstärken und unumkehrbar oder schwer aufzuhalten sind. Diese Prozesse können Kaskadeneffekte auslösen und das Klima auf der Erde drastisch verändern. Hier sind einige der wichtigsten Kipppunkte:
🌡 Polare und Gletscher-Eisschilde
1. Grönländisches Eisschild
o Schmilzt das Eis der Grönland-Gletscher zu stark, kann sich die Erwärmung selbst verstärken, da weniger Sonnenlicht reflektiert wird (Albedo-Effekt).
o Langfristig würde der Meeresspiegel um bis zu 7 Meter steigen.
2. Westantarktischer Eisschild
o Der Eisschild ruht teilweise auf Land unter dem Meeresspiegel. Wärmeres Wasser kann das Eis von unten abschmelzen.
o Wenn das Eis instabil wird, könnte der Meeresspiegel um 3–5 Meter ansteigen.
3. Ostantarktischer Eisschild (Teile davon)
o Bisher stabiler, aber einige Bereiche könnten durch Erwärmung instabil werden.
4. Arktisches Meereis
o Im Sommer schmilzt das Eis immer schneller. Ohne Eis absorbiert der Ozean mehr Wärme, was das Abschmelzen weiter beschleunigt.
o Auswirkungen: Mehr Hitzewellen, veränderte Wetterströme.
🌍 Ozean & Strömungen
5. Atlantische Umwälzzirkulation (AMOC, inkl. Golfstrom)
o Der Golfstrom und andere Strömungen bringen Wärme vom Äquator nach Europa.
o Süßwasser aus schmelzendem Eis könnte diese Strömungen abbremsen oder ganz stoppen.
o Folgen: Hitzewellen in den Tropen, extreme Kälte in Europa, Dürren in Afrika.
6. Korallensterben (Great Barrier Reef, Karibik, etc.)
o Durch Ozeanerwärmung und Versauerung sterben Korallen weltweit.
o Folge: Verlust von Lebensräumen für Millionen von Meerestieren.
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🌲 Wälder und Vegetation
7. Amazonas-Regenwald
o Die Kombination aus Abholzung und Trockenheit könnte den Regenwald in eine Savanne verwandeln.
o Folgen: Weniger CO₂-Speicherung, mehr Dürren, globale Temperaturerhöhung.
8. Boreale Nadelwälder (Taiga, Sibirien, Kanada)
o Erwärmung und Waldbrände könnten große Flächen der Taiga zerstören.
o Folge: Freisetzung von CO₂, weniger Kühlung der Atmosphäre.
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🌿 Methan & Permafrost
9. Permafrostböden (Sibirien, Kanada, Alaska)
o Im Eis eingeschlossenes Methan und CO₂ werden bei Erwärmung freigesetzt.
o Methan ist ein 25-mal stärkeres Treibhausgas als CO₂.
10. Methanhydrate im Meeresboden
• Große Mengen Methan sind unter dem Meeresboden gespeichert. Erwärmung könnte sie freisetzen, was die Erderwärmung massiv beschleunigen würde.
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🏜 Weitere Kipppunkte
11. Monsun-Systeme (z. B. indischer Monsun)
• Die Niederschlagsmuster könnten sich durch die Erderwärmung stark verändern, was Dürren oder Überschwemmungen verursacht.
12. Sahara & Sahel-Region
• Es gibt Hinweise, dass das Klimasystem der Sahara kippen und sich entweder stark ausdehnen oder begrünen könnte.
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🔥 Warum sind Kipppunkte gefährlich?
• Ein einmal überschrittener Kipppunkt kann nicht einfach rückgängig gemacht werden.
• Kipppunkte verstärken sich oft gegenseitig (z. B. schmelzendes Eis → mehr Erwärmung → schwächere Ozeanzirkulation → stärkere Stürme).
• Einige Kipppunkte können Lawineneffekte auslösen und die globale Erwärmung unkontrollierbar machen.
Einige Forscher befürchten, dass wir bereits gefährlich nahe an mehreren dieser Kipppunkte sind oder sie sogar schon überschritten haben.
Klima
Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) definiert das Klima wie folgt:
„Klima im engeren Sinne ist normalerweise definiert als das durchschnittliche Wetter, oder genauer als die statistische Beschreibung in Form von Durchschnitt und Variabilität relevanter Größen über eine Zeitspanne im Bereich von Monaten bis zu Tausenden oder Millionen von Jahren. Der klassische Zeitraum zur Mittelung dieser Variablen sind 30 Jahre, wie von der Weltorganisation für Meteorologie definiert. Die relevanten Größen sind zumeist Oberflächenvariablen wie Temperatur, Niederschlag und Wind. Klima im weiteren Sinne ist der Zustand, einschließlich einer statistischen Beschreibung, des Klimasystems.“
Klimaanpassung
Das Klima wandelt sich. Auch wenn uns der Klimawandel häufig erst durch sintflutartige Regenfälle oder heftige Stürme oder extreme Hitzewellen ins Bewusstsein rückt: Es sind vor allem schleichende Veränderungen, die auf lange Sicht das Leben in unserem Land nachhaltig verändern werden. Die Treibhausgase, die sich bereits in unserer Atmosphäre befinden, werden noch viele Jahrzehnte oder Jahrhunderte lang wirken und unser Klima beeinflussen. Selbst wenn wir erfolgreich Klimaschutz betreiben, schreitet der Klimawandel voran. Seine Folgen sind vielfältig und haben Einfluss auf unser Wohnen, Arbeiten und unsere Gesundheit. Wie können wir uns vor zu großer Wärmebelastung schützen? Müssen in Deutschland künftig alle Wohn- und Arbeitsgebäude mit Klimaanlagen ausgestattet werden? Wie viel Energie brauchen wir dafür?
Wie können wir unsere Städte auf kommende Starkregen und Überflutungen vorbereiten? Müssen Kanalisationen angepasst werden? Gibt es andere Möglichkeiten, das Wasser aufzufangen und aus den Städten zu leiten?
Welchen Einfluss hat der Klimawandel auf unsere Gesundheit? Was bedeutet er für verschiedene Krankheiten und Krankheitsüberträger, denen wir schon heute oder in Zukunft ausgesetzt sind?
Die gute Nachricht ist: Wir können etwas tun. Wir können mit den bereits zu beobachtenden Folgen der Klimaänderungen umgehen und uns effektiv auf Kommendes vorbereiten. Doch dafür müssen wir jetzt handeln. Denn rechtzeitige und aktive Anpassung an den Klimawandel kann Schäden mindern – oder sogar vermeiden. Anpassung kann auch heißen, durch den Klimawandel entstehende Chancen zu nutzen. Welche Möglichkeiten ergeben sich zum Beispiel für die Baubranche, wenn Winter künftig milder sind und die Arbeiten weniger lang wegen Frost unterbrochen werden? Wie kann der Tourismus in Deutschland von den steigenden Temperaturen profitieren und gleichzeitig nachhaltig gestaltet werden?
Wer muss sich an den Klimawandel anpassen?
Um sich erfolgreich an den Klimawandel und seine Folgen anzupassen, sind alle gesellschaftlichen Akteure gefragt: ob Politik, Kommunen, Unternehmen oder Privatpersonen.
Klimaschutz
Klimaschutz ist der Sammelbegriff für (organisatorische bzw. technische usw.) Maßnahmen, die der durch den Menschen verursachten globalen Erwärmung entgegenwirken und mögliche Folgen der globalen Erwärmung abmildern (Mitigation) oder verhindern sollen. Als wichtige Grenze gilt die Zwei-Grad-Schwelle, die nicht überschritten werden sollte, wenn katastrophale Auswirkungen der globalen Erwärmung verhindert werden sollen. Einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern gilt als eine der größten Herausforderungen der menschlichen Zivilisation. Da Kohlenstoffdioxid als wichtigster Treiber der gegenwärtigen Erderwärmung sehr lange in der Atmosphäre bleibt und manche Folgen des Klimawandels langfristig und irreversibel sind, werden die politischen Weichenstellungen der Gegenwart und unmittelbaren Zukunft tiefgreifende Auswirkungen für Tausende bis Zehntausende von Jahren haben
Klimasensitivität
Maß für die Temperaturänderung bei Verdopplung der CO₂-Konzentration in der Atmosphäre.
Klimawandel
Der Klimawandel führt zu einer Vielzahl von Klimawandelfolgen, von denen einige erst für die Zukunft erwartet werden, viele aber bereits heute spürbar sind. So ermittelte z. B. eine 2018 erschienene Übersichtsarbeit insgesamt 467 Einflüsse von Klimafolgen, durch die die menschliche Gesundheit, Wasser, Nahrung, Wirtschaft, Infrastruktur und Sicherheit bereits bei Publikation der Studie betroffen waren. Die Bedrohung durch negative Klimawandelfolgen wird sich demnach mit weiter voranschreitendem Klimawandel deutlich erhöhen, gerade falls schnelle und deutliche Klimaschutzmaßnahmen ausbleiben sollten.
Der Weltklimarat IPCC ermittelte in seinem 2022 erschienenen Sechsten Sachstandsbericht 127 Schlüsselrisiken, die kurzfristig (bis 2040), mittelfristig (2041 bis 2060) und langfristig (2081–2100) auftreten können. Ebenfalls hält der Bericht fest, dass der menschengemachte Klimawandel bereits großflächig negative Folgen und Verluste für die Natur wie auch den Menschen verursacht hat und verschiedene menschliche und natürliche Systeme über die Grenzen ihrer Anpassungsfähigkeit hinaus belastet wurden, sodass schon einige irreversible Folgeschäden entstanden sind. Wie schnell und folgenschwer der Klimawandel verläuft, hängt stark von den kurzfristig umgesetzten Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen ab. Die negativen Klimawandelfolgen nehmen mit jedem weiteren Anstieg der globalen Erwärmung weiter zu.
Zusätzlich zu den zu erwartenden reversiblen Folgen der globalen Erwärmung gibt es Kippelemente im Klimasystem der Erde. Durch sie kann bei der Überschreitung einer bestimmten Temperatur ein Dominoeffekt in Gang gesetzt werden, der sich selbst beschleunigend zu einer für den Menschen lebensfeindlichen Heißzeit führt. Unterschiedliche Klimamodelle kommen jedoch zu unterschiedlichen Ergebnissen, bei welchem Temperaturanstieg genau diese Schwelle liegt. Eine vielbeachtete Metaanalyse von Steffen u. a. kam 2018 zu dem Ergebnis, dass bereits das im Übereinkommen von Paris festgelegte Zwei-Grad-Ziel nicht ausreichen könnte, um derartige Rückkopplungen zu vermeiden.
Nicht hier behandelt wird die ökologisch ebenfalls sehr problematische Versauerung der Meere, die direkt durch den steigenden atmosphärischen Kohlendioxidanteil verursacht wird.
Klimazonen
Eine Klimazone (auch Klimagürtel) ist im engen Sinne ein (gedanklich konstruierter), sich parallel zu den Breitenkreisen in Ost-West-Richtung um die ganze Erde erstreckender (geozonaler) Bereich der Biosphäre, der durch mehrere bestimmte Klimatypen gekennzeichnet ist, die nur innerhalb dieser Zone vorkommen. Die Abgrenzung zu anderen Klimazonen erfolgt ausschließlich über gleichartige geophysikalische Bedingungen (Globalstrahlung, Lufttemperatur oder Wind- und Luftdruckgürtel), die eine direkte Folge der zonentypisch wechselnden Sonnenstände im Tages- und Jahresverlauf sind.
Das Klima der Erde unterliegt einem steten Wandel, der sich in der Regel in sehr langen Zeiträumen von mehrere tausend bis Millionen von Jahren vollzieht. Die derzeit stattfindende, vom Menschen verursachte Klimaerwärmung wird zu einer ungewöhnlich schnellen Verschiebung der Klimazonen innerhalb weniger Jahrhunderte – und damit auch aller anderen Geozonen – führen. Obgleich die Übergänge fließend sind und der globale Maßstab enorm groß ist, wird es bei allen Szenarien des IPCC – insbesondere in den Mittelbreiten – zu Verschiebungen kommen, die zu einer Anpassung der Modelle zwingt: Beim bestdenkbaren Szenario etwa ab 2040 und bei Worst-Case ab 2020
Kohlenstoffsenken
Kohlenstoffsenken sind natürliche oder künstliche Systeme, die CO₂ (Kohlenstoffdioxid) aus der Atmosphäre aufnehmen und speichern. Dadurch tragen sie zur Reduktion des Treibhausgases in der Atmosphäre bei und spielen eine entscheidende Rolle im Klimaschutz.
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🔍 Arten von Kohlenstoffsenken
🌳 Natürliche Kohlenstoffsenken:
✅ Wälder & Bäume: Pflanzen nehmen CO₂ durch Photosynthese auf und speichern es in Biomasse (Blätter, Holz, Wurzeln) sowie im Waldboden.
✅ Moore & Feuchtgebiete: Sie speichern große Mengen Kohlenstoff in Form von Torf – solange sie intakt bleiben.
✅ Ozeane & Meere: Plankton und Algen nehmen CO₂ auf, und ein Teil wird langfristig im Meeresboden gebunden.
✅ Böden & Humus: Gesunde Böden speichern Kohlenstoff durch abgestorbene Pflanzenreste und Mikroorganismen.
🏭 Künstliche Kohlenstoffsenken:
✅ Technische CO₂-Speicherung (CCS = Carbon Capture and Storage): CO₂ wird aus Industrieabgasen gefiltert und unterirdisch gespeichert.
✅ CO₂-Entnahme aus der Luft (DAC = Direct Air Capture): Maschinen ziehen CO₂ direkt aus der Atmosphäre und speichern es langfristig.
✅ Bioenergie mit CO₂-Abscheidung (BECCS): Biomasse wird verbrannt, das entstehende CO₂ abgeschieden und gespeichert.
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⚠️ Gefahr: Zerstörung von Kohlenstoffsenken
❌ Abholzung von Wäldern führt zur Freisetzung des gespeicherten CO₂.
❌ Trockenlegung von Mooren setzt große Mengen Treibhausgase frei.
❌ Verschmutzung der Ozeane verringert ihre Fähigkeit, CO₂ zu binden.
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Kohlenstoffsenken sind essenziell für den Klimaschutz. Ihr Schutz und ihre Wiederherstellung – z. B. durch Aufforstung, Moorschutz und gesunde Böden – sind entscheidend, um die Erderwärmung zu verlangsamen.
Kreislaufwirtschaft
Die Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) ist ein
nachhaltiges Wirtschaftsmodell, das Rohstoffe, Produkte und Materialien durch Teilen, Reparieren, Wiederverwenden und Recycling so lange wie möglich im Kreislauf hält. Im Gegensatz zur Wegwerfwirtschaft (linear) zielt sie darauf ab, Abfälle zu minimieren, Ressourcen zu schonen, Umweltbelastungen zu reduzieren und die Rohstoffabhängigkeit zu verringern.
Kernaspekte der Kreislaufwirtschaft:
Vermeidung und Design: Produkte werden langlebig, reparaturfreundlich und recyclingfähig gestaltet (Eco-Design), um Abfall von vornherein zu vermeiden.
10R-Prinzipien: Strategien wie Refuse (Verweigern), Reduce (Reduzieren), Reuse (Wiederverwenden), Repair (Reparieren), Recycle (Recyceln) stehen im Fokus.
Geschäftsmodelle: Nutzen statt Besitzen (Sharing Economy), Leasingmodelle und Dienstleistungen ersetzen den klassischen Verkauf.
Kreisläufe: Unterscheidung zwischen biologischen Kreisläufen (biologisch abbaubar) und technischen Kreisläufen (Materialien bleiben im Umlauf).
Vorteile: Umweltschutz, verringerte Treibhausgasemissionen, Stärkung der Resilienz von Lieferketten und Förderung regionaler Arbeitsplätze.
Politik: Die Europäische Union fördert den Wandel durch den Circular Economy Action Plan, während Deutschland eine Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) verfolgt.
Die Kreislaufwirtschaft ist ein wesentlicher Baustein, um Klimaziele zu erreichen und den Übergang zu einer nachhaltigen Industrie zu gestalten.
Für Anregungen oder für Änderungsvorschläge nutze gern unser Kontaktformular.
